Montag, 20. Oktober 2014

Handsome Carlo und der Zaubertränke-Koffer



Es stinkt schon wieder in der Wohnung — und diesmal bin ich auch noch selbst Schuld. Ich sitze im Wohnzimmer und fühle mich wie der Zauberlehrling Harry Potter im Tränke-Kurs, während Älono mit dem kritischen Blick eines Professor Severus Snape neben mir steht und mein Werk beäugt. Vor drei Monaten habe ich ihr zum Geburtstag einen kleinen Zauberkoffer geschenkt. 80 Dollar, importiert aus Russland, vier Wochen Lieferzeit, ohne Probleme durch den Zoll bekommen. Drei Monate habe ich dann insgeheim auf diesen Moment gewartet. Sind Geschenke, bei denen man sich selbst eine Freude bereitet, eigentlich etwas Verwerfliches? Nein. Wen man beide „Seiten“ mit einem Geschenk glücklich macht, ist das Geld doch besonders gut investiert.

Seit der siebten Klasse hatte ich Chemie-Unterricht. Das war jede Woche ein ganz besonderes Erlebnis: Wir haben Magnesium-Streifen angezündet, Schwarzpulver in die Luft gejagt und Kettenreaktionen mit Säure gebastelt. Damals war ich 14. Zehn Jahre später sitze ich im Wohnzimmer und fühle mich wie damals: Zwei Tropfen aus einer kleinen Flasche, ein Schaufel Pulver aus einer runden Dose, ein paar mal umrühren und das Experiment ist geglückt.

Was für ein Experiment? Ganz einfach: Ich habe meinen ersten Nagellack gemischt. Der Zauberkoffer heißt „Franken Set“, stammt von „Dance Legend“ und ich bin auch nicht Harry Potter sondern für ein paar Minuten der etwas Nagellack-verrückte „Handsome Carlo“. Die Testergebnisse für den Nagellack, den ich spontan simpel als rot mit etwas Schimmer bezeichnen würde, überlasse ich am Ende Älono. Warum das Set zum Selbstmischen aber ein großer Spaß für die ganze Familie ist, will ich Euch nicht vorenthalten.

In einem schlichten Karton kommen die insgesamt 25 leeren Fläschchen, jeweils fünf verschiedene kleine Dosen mit Glitzer und Pigmenten, sechs Farb-Lösungen und jeweils eine 50ml Standard- und Glitzerbasis daher. Zusätzlich gibt es einen kleinen Messbecher, einen Löffel, einen Rührstab, ein paar miefige Einmal-Handschuhe und ziemlich seltsame Plastiknägel zum Probe-Pinseln. Eine Anleitung mit Tipps und Tricks in feinstem Kyrillisch gibt's übrigens auch noch dazu. Der komplette Inhalt ist ziemlich stabil und sicher gepackt und hat die weite Reise aus den russischen Hinterlanden — von der Außenverpackung mal abgesehen — heil überstanden.



Mit den grundlegenden Farb-Lösungen lässt sich allerhand anstellen. Weiß, Schwarz, Rot, Gelb, Bordeaux und Blau sind in kleinen Plastik-Tuben an Bord. Wer im Kunst-Unterricht halbwegs aufgepasst hat, weiß, was man mit dieser Palette alles anstellen kann. Ich habe Kunst nach der 11. Klasse abgewählt und vorher hat meine Mutter hin und wieder den Pinsel für mich geschwungen. Ich überlasse hier definitiv Euch das Feld, sich ein paar Kombinationen (Achtung, Wortspiel) auszumalen!



Während ich weiter in der Box herumwühle, brauche ich definitiv Hilfe. Die Schimmer-Pigmente sehen alle schön „bunt“ aus, würde ich sagen. Nach kurzer Rücksprache kann ich berichten, dass es die Farben Gold, Silber, Pink, Rot und Perlmutt in das Set geschafft haben. Abgerundet wird das Farbspektrum durch Glitzerpartikel, die im fertigen Nagellack stärken sichtbar sind. Ich würde auch sie grob als „bunt“ bezeichnen. In Wirklichkeit verbergen sich die Farben Rot, Gold („etwas feiner“), „Holo“, Silber und „Silber-Holo bisschen gröber“ (Was auch immer das sein mag) in den kleinen runden Dosen. Alles da — es kann also losgehen. Auf die Nutzung der Handschuhe verzichte ich übrigens. Man muss sich ja wenigstens irgendwie männlich fühlen, wenn man schon einen Nagellack mixt.




Zwei Tage später entdecken Freundinnen von uns das „Franken-Set“ im Wohnzimmer, lassen sich die ersten selbstgemischten Lacke zeigen und sind gar nicht mal so uninteressiert. „Den roten Lack würde ich mir sogar im Laden mitnehmen“, sagt Eine. Ich spitze die Ohren. Im letzten Semester habe ich einen Grundkurs „Marketing“ besucht. Ich wittere ein Geschäft. Kurzzeitig stelle ich mir vor, wie ich im großen Stil Nagellacke mische und rund um den Globus verschiffe. Ein eigenes Hashtag auf Instagram und eine rauschende Party zum Release einer neuen Kollektion. Immerhin, die erste Flasche ist schon mal fast voll.
Wenig später habe ich den Eindruck, meine kurzzeitige Euphorie wurde geringfügig genutzt: 35 verschiedene Glitzersorten von „Glitter Unique“ haben es ein paar Tage danach in den Warenkorb geschafft und befinden sich nun auf dem Weg zu uns. Professor Snape hat zugeschlagen, könnte man sagen. Ich befürchte, ich werde es trotzdem toll finden. Ich habe mir heimlich vorgenommen, alle 35 Sorten zusammen in eine riesige Flasche zu kippen, eine Menge Basis drauf zu schütten und zu schauen was passiert. Ich sollte das wohl besser heimlich machen, oder?

Wie mischt man sich nun aber einen eigenen Lack und wie sieht das Produkt aus, das ich „gezaubert“ habe? In den Messbecher kommen zunächst knapp 5ml Basis, zu der dann einige Tropfen Farb-Lösung gegeben werden. Für meinen Lack habe ich mich für die normale Basis entschieden und zwei Tropfen Bordeaux-Farbe und jeweils knapp 1,5 Tropfen Geld und Weiß hinzugefügt. Die Tropfen erweisen sich mehr als dickflüssige „Wurst“ — hier ist also ein wenig Bauchgefühl gefragt. Bis uns der Lack schlussendlich gefallen hat, haben wir von jedem Farbstoff noch ein wenig dazugemischt — hier ist etwas Geduld gefordert, bis das Ergebnis zur eigenen Vorstellung passt. Abgerundet haben wir die Kreation mit zwei Löffeln Gold-Schimmer (ich hätte gerne noch alles Mögliche reingeschüttet und mich gefreut). Abschließend wird das Ergebnis ordentlich durchgerührt und in eine der 25 kleinen Fläschchen gefüllt. Wenn der Lack am Ende etwas dickflüssig ist (merkt man beim Lackieren, habe ich mir sagen lassen), könnt Ihr mit etwas Nagellack-Verdünner nachhelfen. Hinterher folgt der unschöne Part der Reinigung mit einer ordentlichen Portion Nagellack-Entferner. Besonders hart hat es den Rührstab und den Messbecher erwischt. Männliche Lack-Mixer sollten an dieser Stelle darauf achten, dass sich die Herzensdame nicht gerade frisch die Nägel lackiert hat — ist eine super Ausrede um kräftiges Schrubben erfolgreich abzutreten.















Die fertige Kreation deckt bereits in einer Schicht. Auch der Pinsel der kleinen Flasche konnte im Test gut abschneiden. Ich habe die Kreation „Lachs mit leichtem Sonnenbrand im Goldmantel“ getauft. Älono wählte die Bezeichnung „Terrakotta-Creme mit Goldschimmer“. Wir beide fragen uns: Wie würdet Ihr das kleine Kunstwerk nennen? Damit ihr Euch ein Bild machen könnt, liefern wir an dieser Stelle ein paar Fotos des Lacks in freier Wildbahn - an dieser Stelle entschuldigt sich Älono übrigens für ihre Gelnägel-Übergänge.







Dass „Franken“ ein großer Spaß ist, steht also außer Frage. Wer ein wenig Kreativität und Geduld mitbringt, kann mit etwas mehr Glitzer-Zubehör eine schier unendliche Palette an Nagellacken produzieren und so auf Dauer vielleicht sogar eine Stange Geld sparen. Die Qualität der Produkte geht für den zunächst recht hohen Anschaffungspreis also auf jeden Fall in Ordnung. Und auch der Aufwand für einen Lack (inklusive Reinigung) hält sich mit einer guten Viertelstunde in Grenzen. Wer Nachschub braucht kann zudem 25 weitere Fläschchen für 20 Dollar, weitere Farbtöne für 5 Dollar und 100ml zusätzliche Basis für jeweils 14 Dollar erwerben. Zum „los-franken“ reicht das Basis-Set aber zunächst völlig aus. Wer mit weniger Flaschen leben kann und auf zusätzliche Farben verzichten will, kann auch mit dem auf Glitzer-Lacke spezialisierten „Franken Set 2“ für aktuell 50 Dollar durchstarten.

Wenn das kein Grund ist loszulegen! Was würdet ihr Euch für Lacke wünschen, damit Ihr zuschlagt und ich endlich reich werde? Oder etwas realistischer: Käme es für Euch überhaupt in Frage, Lacke selbst zu mischen oder schlagt Ihr lieber im Drogeriemarkt Eures Vertrauens zu?


Kommentare:

  1. Hach das hast du ja mal wieder toll geschrieben, lieber Carlo.
    Ich mische auch gern Lacke selber, allerdings aus vorhandenen Lacken und dann "Glitzer" dazu, aus dem besagten Shop Glitter Unique.

    Falls ihr es schon ausprobiert habt: Ist die Glitzerbasis gut? Sinkt das/der(?) Glitzer da nicht so schnell ab, wie bei Klarlack?

    Die gemischte Farbe ist nicht so meins, aber viele Mädels werden die wohl mögen. Ich steh eher auf Lila, Rosa, Blau, Türkis, insgesamt eher hell als dunkel, Glitzer ist auch toll.

    Viel Spaß beim weitermischen.

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  2. Habe selber schon versucht Lacke zu mischen :) Entweder aus vorhandenen Lacken, was dann meist auch ganz gut aussah, oder aus Klarlack und Pigmenten. Letzteres ging leider daneben, weil das Pigment nicht im Lack gelöst blieb sondern sich nach der Zeit am Boden gesammelt hat .__.
    Wenn aus deiner Geschäftsidee was wird, dann bitte nicht zu überteuert und bitte mit eigenen Farbbezeichnungen :D Also Lachs mit leichtem Sonnenbrand im Goldmantel dürfte dann auf jeden Fall bei mir einziehen :D

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  3. Bisher habe ich mich noch nicht ans Selber-Mischen gewagt. Eure Kreation sieht aber vielversprechend aus. ;-)

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  4. Oh, das Endergebnis sieht wirklich Wahnsinnig toll aus. Den würde ich im Laden auch mitnehmen :p Also das eventuelle Nagellackgeschäft hätte schon mal eine potentielle Kundin ^^

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  5. Hmm ich dachte ja du swatcht "ihn" uns :P *ugly*

    Hmm ich brauch auch langsam mal etwas beeriges als Basisfarbe für meine Jellybase (*ugly*), damit ich mir meinen Cosmic Forces- Lack nachbauen kann :D

    Die Glittersorten hab ich auch alle schon von Nikki geordert... ich glaube das war das erste mal, dass ich etwas pinkfarbenes gekauft haben :>>

    Aber schön, dass wir nun mal einen Eindruck von den DL- Franken- Sachen haben, da ich mein Zeugs immer aus den USA beziehe :)

    Liebe Grüße (an euch beide natürlich^^)

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  6. Lachs mit leichtem Sonnenbrand im Goldmantel dürfte soooofort bei mir einziehen! Was ein geiles Teil <3

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  7. Schöner Lackist das geworden, ich mische mir meine Hololacke selber. Das Ergebniss macht immer einen Heidenspaß

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